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Zwei von Jan Aalmis gemalte Fliesentableaus

aus der Sakramentskapelle des Hospitals San Juan de Dios

in Cádiz / Andalusien wiedergefunden

 

Seit dem Import niederländischer Fliesen nach Andalusien zwischen 1675 und 1775 wurden viele Beispiele bei Veränderungen oder Abriss von Gebäuden zerstört und gelangten zum Teil in unbekannte Hände. Auch im Hospital San Juan de Dios gingen bei Umbauarbeiten große Mengen niederländischer Fliesen des 18. Jahrhunderts verloren. Nach Angaben von César Pemán 1 gab es 1930 im Operationssaal des Krankenhauses noch »große manganfarbene Kompositionen mit Reiterbildern und Szenen aus der Falkenjagd«. 
Der bedeutende portugiesische Fliesenforscher João Miguel dos Santos Simões 2 konnte auf seiner ersten Reise nach Cádiz 1949 nur noch Reste hinter großen Schränken sehen und beklagte bei seinem zweiten Aufenthalt 1950 zudem den Verlust der “wunderschönen keramischen Ausschmückung« des Treppenaufganges und der Flure, die er noch ein Jahr zuvor habe bewundern können. »Es war das größte und besterhaltenste Ensemble, das ich jemals gesehen habe. Schon 1950 waren die meisten Fliesen abgenommen, wegen einer Umbaumaßnahme des Krankenhauses. Trotz der guten Absicht, sie wieder an den angestammten Platz zu bringen, hat man nur eine bescheidene Menge retten können. « 
1959 gab es im Hospital neben den achtunddreißig Fliesenbildern mit Darstellungen von Ordensgeistlichen und kirchlichen Würdenträgern noch zwei weitere unvollständige, auf denen die Figuren eines ‚Carmelita Discalceatus’ und eines ‚Hieronijmita Reformatus’ erhalten waren und die von J.M. dos Santos Simões fotografiert werden konnten. 3

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Carmelita Discalceatus 4                                               Hieronijmita Reformatus 5 

Auf einer Forschungsreise nach Andalusien im Frühjahr 1990 wurden im Hospital San Juan de Dios die achtunddreißig Fliesenbilder mit Ordensleuten und geistlichen Würdenträgern fotografiert und untersucht. Über den Verbleib der Fliesenbilder mit den Darstellungen des Karmeliters und des Hieronymiten konnten Angehörige der Bruderschaft von San Juan de Dios keine Angaben machen.

Nach meinen Veröffentlichungen ’Von Jan Aalmis signierte Fliesentableaus aus der Sakramentskapelle des Hospitals San Juan de Dios in Cádiz / Andalusien’ und ’Grafische Vorlagen und Durchstaubschablonen für von Jan Aalmis signierte Fliesentableaus aus der Sakramentskapelle des Hospitals San Juan de Dios in Cádiz / Andalusien’ im Internet gelang es meinem Fliesenfreund Alfredo Garcia Portillo aus El Puerto de Santa Maria, die beiden vermissten Fliesentableaus zu finden und zu fotografieren.

Dankenswerterweise half ihm Juan Antonio Garcia Aragón von der Hermandad de la Santa Caridad Cádiz (Bruderschaft von San Juan de Dios in Cádiz) bei der Suche.

 

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Vom aufgefundenen Tableau ’Carmelita Discalceatus’ fehlt die Fliese in der oberen rechten Ecke, die auf dem Foto von Simões noch vorhanden ist.

 

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Vorlage für das Fliesengemälde war Blatt 51 aus ’NETTE AFBEELDINGEN DER EYGE DRAGTEN VAN ALLE GEESTELIJKE ORDERS; NEVENS EEN KORTE AANTEKENING VAN HAAR BEGIN, INSTELDERS, EN BEVESTIGING. IN’T KOPER GEBRACHT DOOR ADRIAAN SCHOONEBEEK TOT AMSTERDAM, BY DEN AUTEUR, IN DE KALVERSTRAAT, M.DC.LXXXVIII.’

 

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Im Gemeentearchief Rotterdam liegt unter der Nummer 3343 die in der Werkstatt der Familie Aalmis für das Fliesengemälde gebrauchte Durchstaubschablone.

Das Blatt trägt handschriftlich die Bezeichnung N 61.  

 

 

Details des Fliesentableaus ’Carmelita Discalceatus’

 

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Mittlere Reihe, Fliese i 10

 

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Mittlere Reihe, Fliese i 9

 

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Mittlere Reihe, Fliese i 8

 

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Mittlere Reihe, Fliese i 7

 

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Mittlere Reihe, Fliese i 6

 

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Das Tableau ’Carmelita Discalceatus’ wurden mit Buchstaben und Ziffern markiert.
Der Buchstabe i bezeichnet das Tableau, die Ziffer die Lage der Fliese.
Die Fliese 5 (obere linke Ecke der Vorderseite) trägt f statt i als Buchstabe!
Die fehlerhafte Anordnung der Fliese ist auch auf Bild 3 zu erkennen.
Die Art der Markierung der Rückseiten von Fliesentableaus konnte von Manufaktur zu Manufaktur unterschiedlich sein. Diese Art der Markierung ist typisch für die Rotterdamer Fayencemanufaktur der Familie Aalmis.

 

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Vom wiederentdeckten Tableau ’Hieronijmita Reformatus’ fehlen die dritte Fliese der linken und die erste Fliese der rechten Reihe. Das Fliesengemälde ist im gleichen Zustand, wie ihn schon Simões 1959 veröffentlichte.

 

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Vorlage für das Fliesengemälde war Blatt 111 aus ’NETTE AFBEELDINGEN DER EYGE DRAGTEN VAN ALLE GEESTELIJKE ORDERS; NEVENS EEN KORTE AANTEKENING VAN HAAR BEGIN, INSTELDERS, EN BEVESTIGING. IN’T KOPER GEBRACHT DOOR ADRIAAN SCHOONEBEEK TOT AMSTERDAM, BY DEN AUTEUR, IN DE KALVERSTRAAT, M.DC.LXXXVIII.’

 

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Im Gemeentearchief Rotterdam liegt unter der Nummer 3349 die in der Werkstatt der Familie Aalmis für das Fliesengemälde gebrauchte Durchstaubschablone.

 

 

 

 

Details des Fliesentableaus ’Hieronijmita Reformatus’

 

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Mittlere Reihe, Fliese b 10

 

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Mittlere Reihe, Fliese b 9

 

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Mittlere Reihe, Fliese b 8

 

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Mittlere Reihe, Fliese b 7

 

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Mittlere Reihe, Fliese b 6

 

 

 

 

 

Rückseiten der Fliesen des Tableaus ’Hieronijmita Reformatus’

 

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Beim Herstellungsprozess waren die Fliesen im Glasurbrand Rückseite an Rückseite geschichtet. Dabei wurden mit Glasurfarben aufgebrachte Buchstaben und Ziffern von Fliese zu Fliese überblendet und sind spiegelbildlich zu erkennen. Zwischen den Glasurseiten bestand beim Glasurbrand ein Abstand von wenigen Millimetern.

   

Die beiden kunst- und kulturhistorisch wertvollen Fliesentableaus sollten restauriert und für Besucher wieder präsentiert werden.

 

 

 

Anmerkungen

1)      César Pemán ‘El Arte en Cadix’ (Madrid 1930)

2)      João Miguel dos Santos Simões ‘Carreaux Céramiques Hollandaise au Portugal et en Espagne’ (La Haye 1959)

3)      Fotokopien aus ‘Carreaux Céramiques Hollandaise au Portugal et en Espagne’, XXXIII b. und c.

4)      Die unbeschuhten Karmeliten sind der männliche Zweig der Reformbewegung des theresianischen Karmels. 
Der Orden wurde 1568 in Duruelo (Spanien) von Teresia von Avila und Johannes vom Kreuz gegründet. (Wikipedia)

5)      Hieronymiten (auch Eremiten des heiligen Hieronymus) sind Geistliche einer katholischen Ordensgemeinschaft,  die den heiligen Hieronymus zum Schutzpatron gewählt hat. 
Es handelt sich um einen Orden, der hauptsächlich in Spanien und Portugal Gründungen erfahren hat. (Wikipedia)

 

 

Fotonachweise

Die Abbildungen 1 und 2 kopierte ich aus dem Buch João Miguel dos Santos Simões ‘Carreaux Céramiques Hollandaise au Portugal et en Espagne’ (La Haye 1959).

Für die Abbildungen 3-16 erhielt ich Bildmaterial von Herrn Alfredo Garcia Portillo aus El Puerto de Santa Maria.

Ihm danke ich auch für seine Genehmigung zur Veröffentlichung des Bildmaterials auf meiner Webseite
www.tegels-uit-rotterdam.com
.

 

 

Bitte öffnen Sie auch meine Veröffentlichungen

GRAFISCHE VORLAGEN UND DURCHSTAUBSCHABLONEN FÜR VON JAN AALMIS SIGNIERTE FLIESENTABLEAUS 
IN DER KAPELLE DES HOSPITALS SAN JUAN DE DIOS IN CÁDIZ
www.tegels-uit-rotterdam.com/de_dios2.html
und
ROTTERDAMER FLIESENTABLEAUS IN DER KAPELLE DES HOSPITALS SAN JUAN DE DIOS IN CÁDIZ
www.tegels-uit-rotterdam.com/juan_de_dios.html

 

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